Wehrtechnik
Unter Wehrtechnik versteht man im Allgemeinen Produkte der Waffen- und Rüstungsindustrie. In der Bundesrepublik Deutschland unterliegt in Folge einer unseligen Vergangenheit die Wehrtechnik sowie der internationale Vertrieb entsprechender Erzeugnisse strengen Auflagen; größere Rüstungsexporte erfordern etwa eine parlamentarische Abstimmung. In Krisen- oder Kriegsgebiete darf gemäß Verfassung prinzipiell nicht geliefert werden, was immer wieder für Diskussionen zwischen den politischen Parteien führt, da das Wort "Krisengebiet" ein dehnbarer Begriff ist und auch NATO-Partner mitunter gemeinsame Grenzen mit Krisenregionen haben oder selbst als solche definiert werden können. Hauptabnehmer deutscher Wehrtechnik ist zuvorderst die Bundeswehr. Mit der Ausmusterung der altgedienten "Phantom"-Abfangjagdflugzeuge durch den "Eurofighter Typhoon" werden die deutschen Streitkräfte mit Ausnahme von Raketen-Luftabwehrsystemen amerikanischer Herkunft beinahe ausschließlich mit Rüstungsmaterial versehen sein, das in Deutschland oder zumindest unter deutscher Beteiligung entwickelt und hergestellt wurde. Mit dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung existiert eine zentrale Instanz für die Vergabe von Rüstungsaufträgen.
Wehrtechnik nach dem zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlief die "Frontlinie" des Kalten Krieges quer durch das Territoium der heutigen Bundesrepublik. Die jeweiligen Bundesregierungen sahen sich daher gezwungen, neben einer engen Einbindung in das westliche Verteidigungsbündnis eine weitgehende Autarkie in der Entwicklung, Herstellung und Unterhaltung von Wehrtechnik zu erreichen, um von der östlichen Seite aus nicht als erpressbar zu erscheinen. Den Einsatz von Wehrtechniken kann man heute noch beispielsweise bei Sehenswürdigkeiten und Reisen in und durch Berlin sehen. Arbeitsplätze im Bereich der Wehrtechnik kamen daher in den Genuss staatlicher Subventionen, was sich bis heute nicht geändert hat. Die Wehrtechnik ist eine durchaus lukrative Branche: Der Kampfpanzer "Leopard 2" von der Wehrtechnikfirma Krauss-Maffay bildet heute das Rückgrat zahlreicher westeuropäischer Streitkräfte und hätte in weit höheren Stückzahlen exportiert werden können, wenn eine weniger verantwortungsbewusste Regierung verschiedenen ausländischen Kaufanfragen zugestimmt hätte. Auch die neuen Unterseeboote der Klasse 212 haben Begehrlichkeiten im Ausland geweckt; erste Exporte an enge Verbündete wie Israel sind bereits erfolgt. in der maritimen Rüstung sind auch die beachtlichen Leistungen der deutschen Werften im Hinblick auf vielfältig einsetzbare Fregatten erwähnenswert; die Schiffe gelten als die in ihrer Größenklasse Leistungsfähigsten der Welt.
Wehrtechnik in der Luftfahrt
Der "Eurofighter Typhoon" ist ein Aushängeschild der Leistungsfähigkeit der europäischen Wehrtechnik. Ähnlich dem Mehrzweckkampfflugzeug "Tornado" entsteht der Eurofighter als Multinationen-Projekt unter maßgeblicher deutscher sowie britischer Beteiligung; unser wichtigster Handelspartner Frankreich geht im Bereich der Wehrtechnik traditionell eigene Wege. Der Eurofighter wird von Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien gemeinsam hergestellt und weiter entwickelt. Neben diesen Nationen haben bereits Österreich, Griechenland und Norwegen Maschinen dieses Typs geordert und weitere Exportaufträge sind äußerst wahrscheinlich. Die sich ständig wandelnde weltweite Einsatzlage der Bundeswehr macht eine leistungsstarke und innovative Wehrtechnik in Deutschland auf lange Zeit unverzichtbar.